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Alters- und Pflegeheim Tägerig, alte Poststrasse 10, 5522 Tägerig
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In den Neunzigerjahren war unser Heim eine Art grosse Wohnung für ältere Leute geworden. Das Personal putzte, kochte, pflegte und unterhielt die maximal 9 Pensionäre. Und abends kehrte Ruhe ein, das Personal ging nach Hause und bis morgens um sieben Uhr blieben die Pensionäre unter sich.
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Dann meldeten sich die Behörden bei der Gemeinde: Die Küche wurde beanstandet und das Versicherungsamt reklamierte den mangelnden Brandschutz. Die Trennwände zwischen den einzelnen Zimmern bestanden aus einfachsten Holzkonstruktionen und das einzige Treppenhaus war zu schmal für eine schnelle Rettung. Alles war zwar sehr heimelig und gemütlich, aber im wahrsten Sinn des Wortes brandgefährlich.
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Es wurde ein Sanierungsprojekt ausgearbeitet. Da bei gleichbleibender äusseren Gebäudehülle ein Lift eingeplant wurde, wäre die Küche verkleinert und im Obergeschoss ein Zimmer geopfert worden. Wegen der reduzierten Zimmerzahl hätten Zinsen und Amortisation der Kosten von rund 1,7 Mio Franken auf wenige Pensionäre verteilt werden müssen: Das Projekt war weder rentabel noch von der Gemeinde finanzierbar.
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Dem damaligen Gemeinderat wurde klar, dass sich die Gemeinde Tägerig eine Sanierung des Altersheimes nicht leisten konnte. Es wurde ernsthaft über eine Schliessung nachgedacht.
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1996 musste entschieden werden. Der Gemeinderat erarbeitete eine gewagte Aktion zur Rettung des Altersheimes: Gründung eines Vereines, Schenkung des Heimes von der Gemeinde an den neugegründeten Verein, vollständige Sanierung mit grösstmöglicher Erweiterung, dann kostendeckender Betrieb des Heimes unter der Führung des Vereins.
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Am 11. November 1996 begann diese Rettungsaktion, es wurde zur Vereinsgründung eingeladen. An der Gründungsversammlung gelang es, die Anwesenden von der Idee zu überzeugen, ja sie geradezu dafür zu begeistern. Gleich 56 Personen traten spontan dem neugegründeten Verein bei. Als Vereinspräsident wurde Gemeinderat Willi Gloor gewählt, der damals für die Ressorts Finanzen und Liegenschaften verantwortlich war. Bereits an der Sommergemeindeversammlung vom 19. Juni 1997 bewilligte die Gemeinde die Schenkung des Heimes an den inzwischen 127 Mitglieder zählenden Verein und die Einräumung eines Baurechts für 99 Jahre. Schon im Spätsommer 1997 wurde das Baugesuch eingereicht und noch vor Weihnachten mit dem Umbau begonnen. Während der intensivsten Bauzeit konnte das Heim nicht mehr bewohnt werden. Was in dieser Zeit mit den Pensionären geschehen sollte, das war dann eine Geschichte für sich.
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Der Vorstand war sich im klaren darüber, dass der Erfolg des Heimes auf drei Punkten aufbaute: dem guten Personal, dem guten Verhältnis unter den Pensionären und dem heimeligen Charakter des Hauses. Beim Umbau und darüber hinaus musste darauf geachtet werden, dass diese drei Punkte bestehen blieben. So kam er zur Überzeugung, dass ein Ersatzheim für die Dauer des Umbaus geschaffen werden musste, damit die bestehende Harmonie während dem Umbau nicht verloren gehen würde. Die Lösung entstand in Form enes kleinen provisorischen Altersheimes, das aus Baucontainern errichtet wurde. Diese Lösung erregte weit herum grosses Aufsehen und bot den Bewohnern eine ungeahnte Abwechslung.
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Noch während der Aussiedlung der Pensionäre gab es das Dorffest Tägerig 2000-2, das einen Erlös von Fr. 46’000 zugunsten des Altersheimes einbrachte. Auch dieses Dorffest wird den Organisatoren wie den Besuchern unvergessen bleiben.
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Mit der Rückkehr ins neu erbaute alte Heim, fand die erste grosse Aufgabe des Altersheimvereins seinen Abschluss. Das Heim war schöner als zuvor und bot den Komfort, den man heute auch im Alter erwarten darf.
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Obwohl nun eigentlich alles in Ordnung zu sein schien, ruhte sich der Vorstand nicht auf den Loorbeeren aus, sondern setzte sich intensiv damit auseinander, wie die Zukunft des Heimes auch langfristig zu sichern sei. Zwar galten die Pensionärspreise allgemein als günstig und konnte das Heim Jahr für Jahr schwarze Zahlen schreiben, doch mussten pflegebedürftige Pensionäre ihre Pflegekosten selbst bezahlen, da das Heim wegen seiner Grösse nicht auf der Pflegeheimliste war. Diesen Nachteil für die Pensionäre zu eliminieren, das war das erklärte Ziel der darauf folgenden Zeit.
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Dass uns auch das gelungen ist und das Heim dank einem Zusammenarbeitsvertrag mit dem Reusspark Niederwil auf die Pflegeheimliste des Kantons Aargau aufgenommen werden konnte, das freute nicht nur den Vorstand ausserordentlich. Damit ist der Nachteil der selbst zu bezahlenden Pflegekosten behoben und die Zukunft des Altersheimes Tägerig wohl langfristig gesichert.
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